Donnerstag, 19. September

CONTURBANARIES gibt der international populären Berliner (Urban) Art-Szene eine Plattform. Künstler, Galeristen, Verleger und Aktiven präsentieren sich auf einem Festival samt kuratierter Messe. Auf 2500 m² finden sich Berlin Originals und deren internationale Freunde ein. Denn natürlich ist Berlin keine Insel mehr. Berlin steht international für die fortschrittlichsten Impulse der Kunstszene in einer globalen, jungen Kultur. Hier präsentieren sich die Macher selbst. No Gimmicks and no Middleman, der mit Postkarten und billig produzierten Katalogen versucht Profit aus der Popularität Berliner Kunst zu ziehen. Bei CONTURBANARIES stehen die Künstler und die Aktivisten selbst im Vordergrund.

CONTURBANARIES ist dabei mehr als eine Kunstmesse. Neben der 400 m² großen Ausstellungsfläche mit Messekojen nicht nur von Berliner Galerien, sondern auch internationalen KünstlerInnen, ist COUNTURBANARIES ein Festival mit Parties an den Abenden, soziales Forum mit Workshops zum Mitmachen, Treffpunkt zum Austauschen und Kennerlernen, einem Kino mit internationalen Filmproduktionen und einem Poetry Slam.

Zusätzlich werden Soulfood-Stände geboten die von eingeladenen Berliner Restaurants betrieben werden. Und es gibt auch einen Spielgarten für Kids, also Platz für die ganze Familie. Sprich: Ein Event, auf dem man sich das ganze Wochenende anregen und amüsieren und nebenbei eben auch gute Kunst erwerben kann.

Messefläche (für KünstlerInnen und Galerien)-

  • jede der 16 Kojen beinhaltet:
  • 3 weißgestrichene, beleuchtete Wände à 3 Meter Länge bei 2,5 m Höhe, also insges. 9 Meter Wandfläche à 2,5 m Höhe und jeweils 3 m à 1,5 Höhe – nutzbare Fläche 15 qm
  • Stromanschluss
  • Miete für‘s Wochenende: 350,- € (netto)

Messefläche für Kunstverlage, Art Products, Drucke in weiterer 400qm Halle:

  • bring your own Tisch / 50,- € pro Tischmeter
  • Stromanschluss

Außenfläche für Soulfood-Stände:

  • Fläche für 12 Food-Stände für je 100,- € für’s Wochenende (mit Stromanschluss)

Bewerbungen bitte bis zum 19.7. 2013 anaussteller@conturbanaries.com Eine Kaution von 100 € ist bis zum 30.7. 2013 zu entrichten.

Freitag, 6. September

Das Art Village auf dem Berlin Festival 2013 wird in diesem Jahr noch bunter, installativer und vielseitiger, als es das in den Jahren zuvor bereits war. Und vor allem wird es eines: noch mehr Dorf! Das Art Village auf dem Flugfeld Tempelhof nimmt seinen Titel dieses Jahr wörtlich und wird all das bieten, was auch ein Dorf in der Provinz hat: eine Kirche, eine Kneipe, ein Zirkuszelt für die Poeten, einen Marktplatz, eine Arena für Tanz und sogar ein Freibad samt Sauna. Das Art Village als Gesamtkunstwerk und jede dieser Installationen eine Kunstposition für sich.

CHURCH OF PHONK

Kurator Jan Kage, in Berlin auch als Party-Arty-Diktator Yaneq bekannt, hat Various & Gould eingeladen, die Kirchenfenster zu gestalten, Nomad, das Altarbild zu malen, Christoph Krönke wird das Deckenfresko der knapp 100 qm messenden Installation gestalten, Maike Gräf die Skulpturen liefern, Stohead die Inschriften schreiben, Christian Awe die Außengestaltung der Fassade übernehmen, Poet die Kirche mit einem Graffiti bomben und Johannes Buss den Talar für Yaneq designen, der auf einer Videoinstallation von Hendrick van Meckenem seine Predigt halten wird: In einer Welt, in der niemand mehr an Götter glaubt, sind die Künste der letzte verbleibende Raum für Transzendenz.

VILLAGE PUB + MARKTPLATZ

Neben jeder Kirche steht selbstverständlich eine Kneipe. Diese wird von 44 Flavours aus altem Holz, Fensterrahmen und anderen „wertlosen“ Fundstücken gestaltet. Bosso Fataka, die Jeanne-Claude und Christos unter Berlins Street-Artists sorgen für die Möblierung des Marktplatzes, in dem sie Stühle, Sessel und Sofas, die sie als Sperrmüll im Straßenland finden, mit Frischhaltefolie verpacken. Daniel Chlubba stelt seine Dixiecuzzi, ein Pool bestehend aus zwei umgekippten Dixie-Klos, als Tauchbecken neben die Sauna, die in einen alten Feuerwehrwagen installiert werden wird.

POETRY SALOON, DOGHOUSE UND MEHR

Der Poetry Saloon wird, wie im letzten Jahr, von Wolf Hogekamp, dem Grandsigneur der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene, gehostet und mit einigen der besten Vertreter der Zunft aufwarten. Anique Weve aus Rotterdam baut ihr Doghouse auf, eine Hundehütte, als kleinster Club des Festivals für maximal acht Gäste mit Musik und Freibier. Auf dem Art Market bieten Künstler Produkte feil. Und Quiet In The Corner, die im letzten Jahr den Spezialpreis der Jury für ihre Tanzperformance gewonnen haben, laden in die Tanzarena, die Nachts auch als Silent Arena fungiert.

ART PRIZE

Auch dieses Jahr gibt es wieder mit 1000 €, 500 € und 250 € dotierte Preise für die gelungensten Arbeiten. Und auch der Young Talents Call findet seine Fortsetzung: Noch nicht etablierte KünstlerInnen sind eingeladen, sich mit ihren Konzepten zur Wandgestaltung einzubringen.

Teilnehmende Künstler:

JAN “YANEQ” KAGE – MAIKE GRÄF – VARIOUS & GOULD – JOHANNES BUSS – CHRISTOPH KRÖNKE – STOHEAD – NOMAD – POET – B.SIDE – 44FLAVOURS – ANNIQUE WEVE – WOLF HOGEKAMP – BOSSO FATAKA

2 Nächte auf der Insel der Jugend im Treptower Park

Wiesenland & Party Arty präsentieren:

Letztes Jahr platzte die Insel aus allen Nähten, nun rasten wir komplett an 2 Tagen aus. Seit 1916 beherbergt die Insel im Herzen Berlins die Liebhaber kultivierter Tanzmusik. Dieses Jahr haben sich Wiesenland und Party Arty zusammengetan und präsentieren Euch folgendes Line Up:

FB Event: https://www.facebook.com/events/589336151091058/


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Freitag, 28.6. 2013 – Beginn 22 Uhr

PARTY ARTY vol. 41

UNTERDECK / Electro:

HOUSEMEISTER (All You Can Beat, Boysnoize Records)
KAJAK – Live – Bobby Soulo & Kaja (Dj x Drummerin)
MIKE OKAY (Klub7)
MATHIAS WECK (Clubsandwich, FluxFM)

SONNENDECK / Twerk, Baile Beats, Tekhouse, Future Boogie:

THROUGH MY SPEAKERS-FLOOR

SARAH FARINA
SIXFOOT
WALTER VINYL
QUMASIQUAMÉ
CHIX
VJ: MICHAEL TITZE

MASCHINENRAUM / Dubstep, Trap, Mumba, DnB

GOFI (X / Nachbarschaftsbass)
MINO (X / Nachbarschaftsbass )
SAN GABRIEL (X / HHDS)
REAF (Dope)
STINOE (True Beatz)
QUINCY MILLION (ANTIBLING:PROMASSIVE)

WARM UP: Andre Langenfeld (Radio Fritz)

KUNST:

KLUB7
TEENS ON AGE (Freiluft-Kino; Regisseur Henning Gronkowski und Schauspieler anwesend)
DANIEL CHLUBBA (Dixicuzzi)
KARSTEN KONRAD (Skulptur)

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Samstag, 29.6.2013 – Beginn 22 Uhr

FLASH BACK

Zeitreise auf die Insel der Jugend

Unterdeck / Hip Hop Classics:

DANETIC (Liquit Walker)
SMOLFACE (Beathovenz / KMC)
THAT FUCKIN SARA B2B TRICKY TESS
THE SMELLS (Konichiwa Bitche$)
WERD (Atlas Pancakes)
MK 1 (Die Atzen / Lost Elements)
DJ DISTER (Born 2 Roll)
ECKE PRENZE A.K.A BREAQUE & V.RAETER (Spoken View)

Sonnendeck / Soul & Funk:

DAVY DAVE (Pilskills / HHV)
DEJOE (Born 2 Roll / Goldene Neunziger)
REW (Overkill)
RESOUL (Soul Trade / True Beatz Crew)
ROLLE (True Beatz Crew)
MILTON JOHN
VEXKIDDY

Maschinenraum / Dancehall & Reggae:

SELEKTA MIK (MKZWO / Eisclub)
KING MADYU (Bandulero Sound / T.I.T.S)
B-SIDE (Mellowbag / Status Yo!)
FAT ERIC (Banduleros Sound)

Am 16.05. zelebrieren wir gemeinsam mit Converse & YANEQ (Radio Arty) urbane Kultur in Form von Kunst und Musik im Stattbad Wedding.

Mit dabei die beiden Künstlerkollektive THE WEIRD und BOSSO FATAKA, musikalisch eingerahmt von den VICE DJ´s und Berlins Hip Hop Aficionados Konichiwa Bitches sowie zwei exklusiven live Gigs von London’s DVNNY SETH und dem New Yorker ODDISEE.

Tickets bekommt ihr im Converse Store in der Münzstr. 18, und nur solange der Vorrat reicht. Kommt zeitig zur Party, der Platz ist begrenzt. Es gilt First Come First Served.

THE PRO LEATHER EXPERIENCE BERLIN
16.05.2013 22h
Stattbad Wedding
Gerichtsstrasse 65

Art by THE WEIRD https://www.facebook.com/theweirdcrew
& BOSSA FATAKA https://www.facebook.com/pages/bosso-fataka/186700974757250

Music by
DVNNY SET https://soundcloud.com/whoisdvnnyseth
ODDISEE https://www.facebook.com/oddiseemusic
KONICHIWA BITCHES https://soundcloud.com/the-smells

http://www.stattbad.net/
http://www.converse.de/

Yaneq erzählt von seiner Abscheu gegenüber den italienischen Rechtsrecken Frei.Wild und über einen ähnlich gelagerten Fall, nämlich den der Böhsen Onkelz, und wie ihm einmal vor Schreck die Rock’n’Roll-Hand in der Luft gefror.

Gerade war wieder Echo Verleihung. Abgesehen davon, dass mein Haus- und Hofsender FluxFM zu Recht einen der Preise erhalten hat, entstand dieses Jahr die eigentliche Aufregung schon im Vorfeld: Der offensichtlich vollständig verblödete Echo-Rat kam auf die Idee die italienischen Rechtsrecken Frei.Wild in der Kategorie »National« zu nominieren. So viel Heim-ins-Reich-Ambition rief natürlich Widerspruch hervor, andere Bands wollten mit dem Dreck nichts zu tun haben und lehnten die eigene Nominierung ab.
So richtig das ist, so ist es natürlich auch Wasser auf die Mühlen, der sich als Underdogs fühlenden Protonazis. Die Selbststigmatisierung als Opfer steckt ja schon im Namen: Freiwild knallt man ab. Wir gegen die da oben! Die drücken uns, aber sie kriegen uns nicht unter! Wir stehen zusammen! Schließt die Reihen! Die Majorindustrie kämpft gegen uns Indies, fabuliert der Südtiroler Sänger mit Skinhead-Vergangenheit, von der er sich, genau wie die Böhsen Onkelz ihrerzeit, selbstverständlich losgesagt hat. Aber Patriot wird man doch noch sein dürfen! Das sieht auch der NPD-Bundesvorsitzende so, der erzählt, dass 80 Prozent der Frei.Wild-Leute Parteimitglieder seien. Ich glaube für echte Nazis sind die Onkelz und Freiwild allerhöchstens Einstiegsdroge oder – je nach Alter der Sozialisation – Verrat und Verwässerung der Hardcore-Ideale. Vielleicht auch sowas wie Außenbotschafter und Rattenfänger. Ich kenne keine Nazis persönlich. Aber komischerweise kenne ich, was die Anhängerschaft der Frei.Wild-Fans und der Bösen-Onkelz-Freunde angeht nur zwei Gruppen Bundesbürger: Ostdeutsche und solche mit Migrationshintergrund.

Als ich dreizehn, vierzehn Jahre alt war zum Beispiel, war Fabi mein bester Freund, Sohn eines italienischen Kellners und einer belgischen Reinigungskraft. Er war zwei Jahre älter, Skinhead und hatte Onkelz-Platten. Mexiko und so. Türkenfotze. Ich war kleiner Punk und hatte Tote Hosen-Platten und Toy Dolls. Wir interessierten uns beide für Kunst, meine Mutter fuhr uns zur August-Macke-Ausstellung. Tolles Bild: Ein kleiner Punk und ein etwas größerer Skin, Ende der Achtziger Jahre vor einem kubistischen Bild in Andacht vereint.
»Fabi, so ’ne Scheiße kannst du doch nicht hören! Das ist doch Nazidreck!«
»Nee, das ist doch witzig, die meinen das nicht so. Mach dich locker. Es geht darum, dass man sich nicht unterbuttern lässt!«
Was ich argumentativ nicht zu leisten vermochte, schaffte Anfang der Neunziger dann die wirkungsvolle Mischung aus Technomusik und Drogenkonsum. Fabi wurde ravender Hippie. Eine Mischung, die wie ich hörte auch mehr Brandenburger Faschohools zivilisiert hat, als gutmeinende Sozialarbeiter mit ihrer arme-arbeistslose-Jugendliche-Rhetorik. Jetzt kann man angesichts einer Bundesregierung, die sich weigert einen Verbotsantrag gegen die NPD zu stellen natürlich kritisch hinterfragen, warum sie dann Drogen verbietet. Hätten wir Ende des letzten Jahrhunderts mehr Extacy nach Thüringen geschafft, hätte es vielleicht nie den NSU gegeben und die Kölner Bürger, die aufgrund ihrer türkischen Herkunft von den Nazi-Terroristen mit Nagelbomben attackiert wurden, würden jetzt zum Frei.Wild-Konzert gehen. Eine Welt, in der ich leben könnte. Soviel Toleranz muss sein.

Den Kampf gegen die Onkelz habe ich anders verloren. Mein Freund Tamer und ich hatten uns schon Jahre lang darüber gestritten, ob die Onkelz nun Faschos seien oder nicht. Er liebt sie. Ich nicht. Tamer hat die Musik der Onkelz immer wieder in seine Theaterstücke eingebaut. Vor ein paar Jahren saßen wir nach der Premiere im Café des Hebbel Theaters und ich quatsche gerade mit Jaques Palminger aus Hamburg, als Tamer im Onkelz-Shirt vorbeikommt. Ich stell sie einander vor.
»Alter, ich versteh ja, dass du deren Musik in dein Stück baust, aber dass du jetzt auch noch in dem T-Shirt rumlaufen musst, ist mir zu viel. Wir haben die damals so sehr bekämpft…«, und schon lief die Diskussion die nächste halbe Stunde.
Tamer ist straight edge. Ein paar Monate später holte er mich mit seinem roten Golf im Lovelite ab, kleiner Klub in Berlin-Friedrichshain, wo ich damals die Party Artys veranstaltet habe. Es ist 4 Uhr morgens oder so, ich bin angeheitert, to say the least, sprich, ich habe schon ordentlich einen im Kahn. Wir steigen in sein Auto, die Anlage springt an, ein fettes Gitarrenriff knallt aus den Speakern.
»Geil, Motörhead!«, ruf ich und schleudere, kleinen und Zeigefinger abgespreizt, meine Rock’n’Roll-Hand gen Windschutzscheibe, deute ein Bängen des Kopfes an.
Tamer grinst zu mir rüber: »Nee, Onkelz, Mann!«
Es war als ob die Zeit stehenbleibt, meine blöde Rock’n’Roll-Hand in der Luft gefroren. Einen jahrelangen Disput so einfach zu verlieren. Ätzend ist das!
Okay, vielleicht hatten die Onkelz packende Riffs. Aber mit denen fangen sie halt die Ratten – alles Ratten außer Fabi und Tamer, versteht sich. Und Frei.Wild werden es ähnlich anstellen. Aber die Texte bleiben eben doch chauvinistisch bis nationalistisch. Dreck halt.

Speaking of my Rock’n’Roll Hand, die hätte mir beinahe mal den Zorn türkischer Antifaschisten eingehandelt.
Ich stand angetüdelt im Hebbel Theater und rockte euphorisch zu der Mucke von Selim Sesler, den Istanbuler Gypsy-Musiker, den Alex Hacke in Fatih Akins »Crossing the Bridge« mit den Worten vorstellt, bei seinen Sessions ginge es darum, wer am längsten spielt und wer dabei am meisten trinkt. Schon mal grundsympathisch, die Haltung. Selim und seine Musiker fiedelten und muckten und rockten den großen Saal in Trance. Voller Freude warf ich halt irgendwann meine Rock’n’Roll-Hand in die Luft, so wie ich das immer tue, wenn ich begeistert bin und rief irgendeinen Freudenschrei.
Ein langhaariger, türkischer Freund nahm mich zur Seite und sagte, dieses Handzeichen könne ich hier nicht machen, das sei gefährlich.
»Wieso, sind doch keine extremen Moslems hier oder?!«
»Nein, das ist das Zeichen der Grauen Wölfe, der türkischen Faschos!«
Graue Wölfe, frei und wild, wie die Bergziegen bei Brixen.

Ich mein abgesehen davon, dass jemand, der sich frei und wild nennt, wahrscheinlich das Gegenteil davon lebt, so wie ein picklieger Pornorapper eben wenig fickt und deshalb seine Fantasie in seine Texte einbringt, ist so eine Adjektive-Verkettung schon an sich bekämpfenswert.
Als ich zum ersten mal dem Bandnamen als Heckscheibenaufkleber begegnet bin, waren wir leider in voller Fahrt auf der Autobahn. Sonst hätte ich eventuell spontan frei wie wild reagiert und das einzig richtige getan: Die blöde Scheibe zu zerkloppen.
Ton, Steine, Scherben, Genossen!

Schaut auch hier: http://www.hhv-mag.com/de/feature/4726/yaneqdoten-frei-wild-graue-wolfe

Yaneq erzählt von seinem sicheren Umgang in verschiedenen Sprachen, davon, wie man ihn in San Sebastian für einen Zugewanderten und ein Brite ihn für einen Iren hielt und Niederländer ihn für seinen Versuch Holländisch zu reden noch lobten.

Gib mir zwei, drei Bier und ich spreche jede Sprache, inklusive des Kantonesischen.
Okay, das ist Angeberei, aber im Ernst: Zumindest bei den romanischen der europäischen Sprachen gilt, beherrscht man eine von ihnen, kommt man bei den anderen frei improvisierend schon irgendwie durch.
Das ist mir das erste Mal beim Urlaub im Baskenland aufgefallen. Hochpolitische Gegend, Anfang der Neunziger, Straßenmalerei voller anti-spanischer Parolen und Wandzeitungen, die von Inhaftierten ETA-Kämpfern berichten. Der Tenor befreiungsnationalistisch mit Verwurzelung in den 1970er Jahren. Irgendeine von Punks betriebene Kneipe in San Sebastian oder so. Wir trinken und stoßen an und mich interessiert der Umstand sehr, dass hier offensichtlich radikale Postionen im Straßenbild mehrheitsfähig sind. Also will ich fragen und reden. Aber wie? Die Jungs sprechen kein Deutsch und kein Englisch. Französisch lehnen sie als Kolonialsprache ab.
Ich denke, Begriffe wie Politik und Ökonomie sind international. Und ich denke mir, wenn ich mich in Deutschland mit einem frisch Zugewanderten unterhalte, dann achte ich auch nicht auf den Akzent und seine Grammatik, sondern auf das, was er mir zu sagen hat. Also lege ich schamfrei los, nehme mein Schulfranzösisch und die deutschen Fremdwöter, hänge hinten »Os« und »As« an die Worte und spreche sie mit einem gefaketen italienischen Kellnerakzent aus: »Si, la blockado economico es una grande problema por el system political del la Cuba! Por el socialismo, eh?!«, wobei die «eh?!«-Endung entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Gesagten ist, das spürte ich instinktiv. Die Punks nickten bestätigend, »Si, un grande problema!« Der Anfang war gemacht.
Ich verfeinerte die Beherrschung dieser wahrhaft internationalen Sprache als ich um das Jahr 2002, es war Sommer und Fußballweltmeisterschaft, einer sehr attraktiven Frau mit großem, unter einem Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft wogenden Busen in meinem Treppenhaus begegnete. »Ah, Brasilia«, rief ich und strahlte sie an. »No, Argentina«, sagte sie und funkelte zurück und dann erklärte sie mir, dass sie als Südamerikanerin in Europa fußballtechnisch auch für die Nachbarländer halte.
Laura sprach kein Englisch und noch weniger Deutsch. Sie lebte für drei Monate bei mir im Haus, im dritten Stock und besuchte einen deutschen Sprachkurs. Sie gehörte zu der Generation Agentinier und Chilenen, die aufgrund der ökonomischen Krise zu Anfang des Jahrtausends ihren Heimatkontinent verlassen hatten, um in Europa Arbeit zu finden. Ganze Heerschaaren von ihnen lebten damals in Barcelona und schlugen sich als Verkäufer und Kellner durch. So auch Laura und jetzt war sie in Berlin, um Deutsch zu lernen, wohnte bei mir im Haus und ich wollte unbedingt mit ihr Spanisch lernen. Wir begannen umgehend eine heiße Affäre und unterhielten uns auf meiner frei improvisierten Sprache, die täglich ausgebaut wurde und die wir »Romantico« nannten – also, ich sprach so, sie lachte und sprach spanisch, aber es funktionierte halt.

Gib mir zwei Bier und ich spreche jede Sprache. Zumindest fällt die Schamgrenze so weit, dass ich es probiere. Das war schon früher so, als ich mit meinen Leute öfters mal nach Holland fuhr, um Haschisch zu kaufen. Hape Kerkeling hatte gerade seinen Stunt als Königin Beatrice gelandet, war in schwarzer Limousine und im Kostüm beim Bundespräsidenten im Bellevue vorgefahren und hatte behauptet: »Ick bin de Beatriesch, ick will mal even lecker Mittageschen mit het Päjsidenten!«
Ich lieh mir Kerkelings Methode, um an der niederländischen Tanke OCBs und Snickers zu kaufen. Meinen Freunden war das unsäglich peinlich. »Hör auf, Alter, die fühlen sich verarscht!« Tatsächlich merkte jeder Holländer sofort, dass hier ein Deutscher seine eigene Sprache mit dem Akzent zu sprechen versucht, den er für den ihren hielt. Aber sie fühlten sich nicht beleidigt, im Gegenteil, schienen sie zu denken, endlich mal ein Deutscher, der uns nicht in seiner Sprache zuquatscht, ohne zu fragen, ob wir diese sprechen, sondern zumindest versucht in unserem Land unsere Sprache zu sprechen. Das interpretierte ich zumindest so und mache das heute noch, wenn ich »Krokettjes mit speßijale Sossche« bestelle. Nur einmal ging diese Nummer für mich nach hinten los. Ich flog mit der niederländischen KLM nach Südafrika und saß neben einem Engländer, dem zu Ehren ich mein sonst eher dem Amerikansichen zuneigenden Englisch einen starken Cockney-Twist gab, weshalb er mich zumindest für einen Iren hielt. Das nahm ich erst mal als Kompliment – immerhin von einer der Inseln! Aber als die holländische Stewardess mich dann, nachdem ich sie zum wiederholten Male mit »twejmal ejn Gläschje Cognac und twejmal het lecker Heinecken« anmoderiert hatte, für einen südafrikanischen Buuren hielt, anstatt für einen – meinetwegen – Südlimburger oder sonst einen ihrer Landsmänner oder zumindest für den Deutschen, der sich Mühe gibt – da war ich doch ernsthaft schockiert; ja, beleidigt und empört war ich.
»A Buure? Are you kidding? Do I look like a fucking Nazi to you? I am German, Ma’am«, protestierte ich. Und da keine echten weißen Südafrikaner um mich rum saßen, kam der Witz gut an. Die holländische Stewardess, mein britischer Sitznachbar und ich lachten laut, der Ire und ich stießen an und wir flogen entspannt den bösen Buren entgegen, in Völkerfreundschaft vereint.

http://www.hhv-mag.com/de/feature/4499/yaneqdoten-freestyle-esperanto

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