Yaneq erzählt von seinem sicheren Umgang in verschiedenen Sprachen, davon, wie man ihn in San Sebastian für einen Zugewanderten und ein Brite ihn für einen Iren hielt und Niederländer ihn für seinen Versuch Holländisch zu reden noch lobten.

Gib mir zwei, drei Bier und ich spreche jede Sprache, inklusive des Kantonesischen.
Okay, das ist Angeberei, aber im Ernst: Zumindest bei den romanischen der europäischen Sprachen gilt, beherrscht man eine von ihnen, kommt man bei den anderen frei improvisierend schon irgendwie durch.
Das ist mir das erste Mal beim Urlaub im Baskenland aufgefallen. Hochpolitische Gegend, Anfang der Neunziger, Straßenmalerei voller anti-spanischer Parolen und Wandzeitungen, die von Inhaftierten ETA-Kämpfern berichten. Der Tenor befreiungsnationalistisch mit Verwurzelung in den 1970er Jahren. Irgendeine von Punks betriebene Kneipe in San Sebastian oder so. Wir trinken und stoßen an und mich interessiert der Umstand sehr, dass hier offensichtlich radikale Postionen im Straßenbild mehrheitsfähig sind. Also will ich fragen und reden. Aber wie? Die Jungs sprechen kein Deutsch und kein Englisch. Französisch lehnen sie als Kolonialsprache ab.
Ich denke, Begriffe wie Politik und Ökonomie sind international. Und ich denke mir, wenn ich mich in Deutschland mit einem frisch Zugewanderten unterhalte, dann achte ich auch nicht auf den Akzent und seine Grammatik, sondern auf das, was er mir zu sagen hat. Also lege ich schamfrei los, nehme mein Schulfranzösisch und die deutschen Fremdwöter, hänge hinten »Os« und »As« an die Worte und spreche sie mit einem gefaketen italienischen Kellnerakzent aus: »Si, la blockado economico es una grande problema por el system political del la Cuba! Por el socialismo, eh?!«, wobei die «eh?!«-Endung entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Gesagten ist, das spürte ich instinktiv. Die Punks nickten bestätigend, »Si, un grande problema!« Der Anfang war gemacht.
Ich verfeinerte die Beherrschung dieser wahrhaft internationalen Sprache als ich um das Jahr 2002, es war Sommer und Fußballweltmeisterschaft, einer sehr attraktiven Frau mit großem, unter einem Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft wogenden Busen in meinem Treppenhaus begegnete. »Ah, Brasilia«, rief ich und strahlte sie an. »No, Argentina«, sagte sie und funkelte zurück und dann erklärte sie mir, dass sie als Südamerikanerin in Europa fußballtechnisch auch für die Nachbarländer halte.
Laura sprach kein Englisch und noch weniger Deutsch. Sie lebte für drei Monate bei mir im Haus, im dritten Stock und besuchte einen deutschen Sprachkurs. Sie gehörte zu der Generation Agentinier und Chilenen, die aufgrund der ökonomischen Krise zu Anfang des Jahrtausends ihren Heimatkontinent verlassen hatten, um in Europa Arbeit zu finden. Ganze Heerschaaren von ihnen lebten damals in Barcelona und schlugen sich als Verkäufer und Kellner durch. So auch Laura und jetzt war sie in Berlin, um Deutsch zu lernen, wohnte bei mir im Haus und ich wollte unbedingt mit ihr Spanisch lernen. Wir begannen umgehend eine heiße Affäre und unterhielten uns auf meiner frei improvisierten Sprache, die täglich ausgebaut wurde und die wir »Romantico« nannten – also, ich sprach so, sie lachte und sprach spanisch, aber es funktionierte halt.

Gib mir zwei Bier und ich spreche jede Sprache. Zumindest fällt die Schamgrenze so weit, dass ich es probiere. Das war schon früher so, als ich mit meinen Leute öfters mal nach Holland fuhr, um Haschisch zu kaufen. Hape Kerkeling hatte gerade seinen Stunt als Königin Beatrice gelandet, war in schwarzer Limousine und im Kostüm beim Bundespräsidenten im Bellevue vorgefahren und hatte behauptet: »Ick bin de Beatriesch, ick will mal even lecker Mittageschen mit het Päjsidenten!«
Ich lieh mir Kerkelings Methode, um an der niederländischen Tanke OCBs und Snickers zu kaufen. Meinen Freunden war das unsäglich peinlich. »Hör auf, Alter, die fühlen sich verarscht!« Tatsächlich merkte jeder Holländer sofort, dass hier ein Deutscher seine eigene Sprache mit dem Akzent zu sprechen versucht, den er für den ihren hielt. Aber sie fühlten sich nicht beleidigt, im Gegenteil, schienen sie zu denken, endlich mal ein Deutscher, der uns nicht in seiner Sprache zuquatscht, ohne zu fragen, ob wir diese sprechen, sondern zumindest versucht in unserem Land unsere Sprache zu sprechen. Das interpretierte ich zumindest so und mache das heute noch, wenn ich »Krokettjes mit speßijale Sossche« bestelle. Nur einmal ging diese Nummer für mich nach hinten los. Ich flog mit der niederländischen KLM nach Südafrika und saß neben einem Engländer, dem zu Ehren ich mein sonst eher dem Amerikansichen zuneigenden Englisch einen starken Cockney-Twist gab, weshalb er mich zumindest für einen Iren hielt. Das nahm ich erst mal als Kompliment – immerhin von einer der Inseln! Aber als die holländische Stewardess mich dann, nachdem ich sie zum wiederholten Male mit »twejmal ejn Gläschje Cognac und twejmal het lecker Heinecken« anmoderiert hatte, für einen südafrikanischen Buuren hielt, anstatt für einen – meinetwegen – Südlimburger oder sonst einen ihrer Landsmänner oder zumindest für den Deutschen, der sich Mühe gibt – da war ich doch ernsthaft schockiert; ja, beleidigt und empört war ich.
»A Buure? Are you kidding? Do I look like a fucking Nazi to you? I am German, Ma’am«, protestierte ich. Und da keine echten weißen Südafrikaner um mich rum saßen, kam der Witz gut an. Die holländische Stewardess, mein britischer Sitznachbar und ich lachten laut, der Ire und ich stießen an und wir flogen entspannt den bösen Buren entgegen, in Völkerfreundschaft vereint.

http://www.hhv-mag.com/de/feature/4499/yaneqdoten-freestyle-esperanto

Hot Tub in da Club – Party Arty // On the Beat // eNtR berlin

PARTY ARTY vol.40

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PARTY ARTY vol.40
a night of vibes from different tribes
fused and hosted by Yaneq

14.3. 2013 – 22 Uhr
@ Prince Charles
Prinzenstraße 85F
10969 Berlin

MUSIK

T.RAUMSCHMIERE (Shitkatapult)
live: Festplatten-Recycling by RE-SPULE. (a.k.a Thomas Mahmoud)
DJ B. SIDE
GAUCHO
MATTHIAS WECK (Clubsandwich, FluxFM)

KUNST

44FLAVOURS (installation)
DANIEL CHLUBA (wellnessskulPtur)
HEINER FRANZEN (video)

SPOKEN WORD

MATTHIAS BECKMANN
THOMAS DRASCHAN
CLAUDIUS HAGEMEISTER
MARIO MENTRUP aka DER WEISSE HAI IST GUT
MANFRED PECKL
YANEQ

Prinzenstrasse 85F (Moritzplatz U8), 10969 Berlin, Germany

Yaneq erzählt von angetrunkenen und bekifften Geschäftsmännern, die dennoch Haltung bewahren und davon wie ihm selbst bei einer Begegnung mit Staatsbeamten der Beweisführung ein Schnippchen schlagen konnte.

Sein wir ehrlich: Wer in Berlin Auto fährt, tut das auch, wenn er mal betrunken ist. Zumindest derjenige Teil Berliner, der sich zur Clubszene zählt und Auto fährt. Natürlich gibt es solche und solche Alk-Fahrer. Jeden zweiten Tag liest man in der BZ von irgendeinem Hohenschönhausener Raser, der einen Fahrradfahrer umgenietet hat. Was ich davon halte, kann man in der letzten Yaneqdote lesen.
Ich kenne aber auch einen erfolgreichen Geschäftsmann, der seine schwarze Limousine nach Einbruch der Dunkelheit grundsätzlich angetrunken und bekifft manövriert und ich kann eine gewisse unvernünftige Bewunderung nicht leugnen. Die Bewunderung liegt auch in dem Umstand begründet, dass dieser Mann seine Agentur, mit immerhin um die 30 Mitarbeitern, bekifft führt, jeden Morgen sein erstes Horn raucht und jeden Abend trinkt, ohne zu vergessen, was er wem gesagt hat und was wer ihm gesagt hat. Ich bewundere also eigentlich seine Konzentrationsfähigkeit und auf diese kommt es an, will man unverletzt und ohne jemanden anders zu verletzen betrunken durch den Verkehr manövrieren.

Fast genauso wichtig, wie keinen zu verletzen, ist es von der Polizei nicht erwischt zu werden. Denn das ist unangenehm und teuer. Ich habe vor vielen Jahren mal vier Freunde in einem kleinen Peugeot nach Hause gefahren. Ich hatte auf unserem Freestyle-Cypher in der Greifswalderstraße vielleicht fünf Cola-Rum, zwei Bier und drei Sekt getrunken, an den wandernden Joints gezogen und am Ende des Abends, so um 5, 6 Uhr verkündet: »Ich fahr euch alle nach Hause!«
Wir hielten auf dem Weg noch an einer Currybude am Mehringdamm, an der inzwischen mehr Kamerateams von RTL2 drehen, um das authentische Berlin zu zeigen, als dass da Wurstesser stehen. Aber damals noch nicht. Doch als wir dort ankamen war gerade die eine Stunde am Morgen, in der der Laden zu hat und putzt. Egal, wir aßen Falafel um die Ecke und als ich wieder anfuhr, habe ich wohl vergessen, das Licht anzumachen. Keine 500 Meter später stoppte uns ein Streifenwagen in der Bergmannstraße.
»Steigen Sie mal bitte aus«, sagte die Polizistin.
»Ja, klar«, sagte ich und reichte ihr den Führerschein.
»Nein, Sie sollen aussteigen.«
»Ach, so, ja klar.« Ich gab ihr meinen Personalausweis.

Währenddessen zischte mein Kumpel auf dem Beifahrersitz immer wieder: »Darf ich, ich liiiebe Marihuana sagen – darf ich’s sagen?«, denn ich hatte kurz zuvor die Story von Fatih aus Köln erzählt, der mit seinen Kollegen auf irgendeiner Polizeiwache nach Drogen durchsucht und befragt worden war. »Haben Sie BTM dabei?« »BTM?« »Betäubungsmittel.« »Betäubungsmittel?«. Fatih stellte sich blöd. »Na, Drogen? Haben Sie Drogen dabei?« »Was für Drogen denn?« Fatih war die reine Unschuld. »Na, Extacy, Kokain, MDMA«, fing der Polizist an aufzuzählen, »Speed, Marihuana…«, als ihn Fatih jäh unterbrach. »Marihuana? Klar hab ich das genommen. Ich liiiebe Marihuana! Hier, ich hab noch was«, und er kramte in seiner Hosentasche, um ein, zwei Gramm hervorzuholen. »Dat könn’se haben! Isch bin eh discht!« Der Polizist war total perplex. Und Fatih durfte die Wache keine fünf Minuten später als freier Mann verlassen.
»Darf ich, ich liiiebe Marihuana sagen – darf ich’s sagen?«
»Nein, halt’s Maul«, zischte ich zurück.
»Nein, nicht den Personalausweis. Sie sollen jetzt mal bitte aussteigen!«
»Ach, so, ja klar.« Ich kletterte aus dem Auto.
Die Polizistin musterte mich kritisch.
»Fassen Sie sich mal mit dem Finger an die Nase!«
Problemlos tat ich wie mir geheißen.
»Laufen Sie mal bitte hier auf der Linie gerade aus. Ja, gut. Jetzt umdrehen! Und zurück!«
Auch das Laufen gelang mir ohne Stolpern oder Eiern.
»Sie haben ganz rote Augen. Haben Sie gekifft?«
»Nein, nein, ich bin ein bisschen erkältet.«
»Haben Sie was getrunken?«
»Och joa«, sagte ich. »Ein Bier, aber am frühen Abend, das ist lange her.« Ich dachte ein bisschen Wahrheit sei besser als eine starke Lüge. Weit gefehlt.
»Dann müssen Sie jetzt mal bitte blasen.«
Jetzt sprang mein Kumpel – ein Mensch von breiter Statur und hoch gewachsen – um mir beizustehen wie eine Naturgewalt aus dem Wagen. »Was heißt hier Blasen? Der macht jaar nischt! Mein Vater ist Anwalt!« Das war zwar nett und solidarisch von ihm, doch in keinster Weise konstruktiv.
»Alter, ist gut, setz dich wieder rein!«

Die Polizistin wirkte dankbar erleichtert. Sie gab mir ihr Messgerät, in das ich nun blasen musste und ich überlegte fieberhaft, wie die Situation noch zu retten sei. Wenn ich jetzt da rein puste, geben meine Lungenkapillaren den Alkohol der ganzen Cola-Rums und Biere und des Sekts wieder frei. Mir fiel ein, dass Trompeter, Saxophonspieler, die ganzen Bläser halt zuerst aus dem Mund, dann aus dem Nasen- und Halsbereich und zuallerletzt aus den Lungen blasen, dass sie sogar zirkular atmen können. Ich probierte es notgedrungen und untrainiert aus, pustete in diesen grauen Kasten, der wie diese Kinder-Pust-Klaviere aussah, pustete lang und anhaltend, während die Kiste einen Dauerpiepton von sich gab und die Polizistin mich mit »Blasen, blasen« hochengagiert anfeuerte, pustete und pustete. Und was ich soll ich sagen? 0,02 Promille!
Ich weiß, das ist nichts worauf man als Erwachsener stolz sein sollte. Aber es ist doch schwer, es nicht ein kleines bisschen zu sein. Niemand wurde verletzt. Meine Leute kamen alle sicher nach Hause. Und die BZ hatte nichts zu vermelden. Höchstens vielleicht aus Hohenschönhausen.

Schaut auch hier unter: http://www.hhv-mag.com/de/feature/4077/yaneqdoten-drinking-driving

Das SCHAU FENSTER zeigt

Chrstian Awe

Il-Jin Choi

Chrsitoph Krönke

Nathan Menglesis

Stohead

auf der BLOOOM:

http://www.blooom.de/blooom

vom 31.10. bis zum 4.11.2012

im Staatenhaus am Rheinpark, Auenweg 17, 50679 Köln


29.9.2012

GRETCHEN
Obentrautstraße 19-21
Berlin – Krzbrg

MUSIK live:

Emma Heartbeat
(bass music band from essen)

Frogg
(Louise Mills, Luke 4000, Mo Delgado)

MUSIK dj:

Sarah Farina
(WeBoogie & Through My Speakers)

That Fucking Sara
(rap, disco, ol school electro and some italo disco)
Kay Boogie
(Subotage)

Ms. Freshfluke
(Jam fm)

KUNST

skulptur:
Ekaterina Mitichkina

tanzperformance:
QITC ( Quiet In The Corner)
(franka marlene foth und laura bächer)

mixed media:
SHOXXX

POETINNEN

Marion Hütter zeigt Ausschnitte aus ihrem Film „Dichter und Kämpfer“
Sarah Bosetti
Josefine Berkholz
Arezu Weitholz

und andere mehr!

EINIGE DER BESTEN POETRY SLAMMER TREFFEN SICH ZU EINER WORTGALA VOM FEINSTEN, REICHEN SICH DAS MIKRO , HAUEN TEXTE RAUS UND ALLES SCHÖN AUF DIE OHREN!

SOLO POETRY SHOWS, POETRY SLAMS, ELECTRONIC POETRY & OPEN MIKES.

DIE POETEN UND POETINNEN BEHERRSCHEN SIE, DIE KUNST DER VERBALEN DATENKOMPRESSION. EINE WILDE MISCHUNG AUS PERFORMANCE UND POESIE, AUS PUREM SCHERZ UND REINER WAHRHEIT, AUS FEUCHTEN DICHTERHÄNDEN UND HEISS GEKLATSCHTEN PUBLIKUMSTATZEN. POESIE ALS SCHLAGABTAUSCH. POPMUSIK AUS WORTEN.TEXTFEUERWERKE! DASS DIE SACHE SO BELIEBT IST, LIEGT WOHL DARAN, DASS ALLE OFFEN SIND UND IMMER WIEDER ÜBERRASCHEN: ALLE WISSEN WIE DER HASE LÄUFT, ABER NIE, WOHIN

TIMETABLE:

FR. 7.9. POETRY SALOON IM ART VILLAGE 2012

16.00h | Poetry Slam Stars |Patrick Salmen & Andy Strauß
16.30h | Lyrical Dynamite |Bas Boettcher und Dalibor
17.30h | Yaneq [Party Arty Diktator] mit Yanekdoten
18.30h | POETRY SLAM VOM FEINSTEN mit Patrik Salmen, Björn Hoegsdal, Sarah Bosetti, Daniel Hoth, Andy Strauß, | Josefine Berkholz, Sebastian Lehmann, Sebastian 23, Frank Klötgen. MCs: Felix Römer und Ken.Yamamoto.&nbsp
21.00h | Poetry goes Electronic |Beatpoeten
22.00h | Aftershow mit DJ Psycho Jones DJ|SPECIAL DECO ART PERFORMANCE BY PSYCHO JONES!!!

SA. 8.9. POETRY SALOON IM ART VILLAGE 2012

14.30h | Poetry Slam [SLAMMER WELCOME]
15.30h | Poetry International |Bohdan Piasecki (PL/GB – engl.), Mieze Medusa (Ö), Frank Langmack (Dk)
16.30h | Trio Inferno |Sebastian Lehmann & Björn Hoegsdal & Frank Klötgen
17.30h | LMBN |Slam und Lesebühnen Raddau aus Dortmund. Mit Sebas.23, Andy Strauß, Sulaiman Masomi & Gästen)
18.30h | Poetry Slam Stars |Lars Ruppel und Felix Römer
19.30h | SPREE VOM WEIZEN |Slam & Lesebühnen Radau aus Berlin! Mit Ken Yamamoto, Frank Klötgen, | Wolf Hogekamp & Gästen.
20.30h | Poetry und Electronic: Klon 23, Broca Areal und Beatpoeten
21.30h | dichter und dichter vs. borderlines |Andreas Schwarz, Thomas Götz von Aust, Stefan Gilles und Blankow Fiktschen
22.30h | Aftershow mit DJ Steve Morell (Palemusic)

|SPECIAL DECO ART PERFORMANCE BY PSYCHO JONES!!!

Natulis Art Temporary präsenitert Garage Art:
Anfang August schrieben wir, Anna Jil Lüpertz, Thomas Eller, James Guerin und ich, die Kuratoren des Projektes GARAGE ART folgendes Stipendium aus: 9 ostige Doppelgaragen für 3 Wochen an jeweils eineN KünstlerIn zu vergeben! Die beste Garage wird am 30.8. von uns 4en und dem Kunsthistoriker Marc Gisbourne gekürt und mit 1000 € prämiert.
Die teilnehemdnen Künstler sind:
Daniel Chluba – Berlin
Amir Guberstein – Tel Aviv
Konrad Knieling / Olga von Wahl –Berlin
Saana Inari Lähteenmäki – Helsinki
Anton Unai – Barcelona
Cheikna NDiaye – Dakar, Lyon
Anne Patsch – Pittsburgh USA
Chika Takabayashi – Japan
Anna-Maria Sommer – Berlin
Hoffest und Besichtigung der Garagen ab 17 Uhr.
In der Scharnhorststraße 32, Berlin-Mitte
Musikalisch:
Bonsai Kitten – live & unplugged
DJ B.Side
und Poetry von Felix Römer

»Fahrradhelme stinken

und sehn scheiße aus

sie verschandeln jedes Stadtbild

Fahr-Rad-Helme Raus!!!«,

schrie ich Mitte der Neunziger voller Innbrunst ins Mikrofon unserer Hardcore-Band und unser kleines, aber lautstarkes Publikum antwortete mir voller Überzeugung: »Rauuuss!«

Dem jüngeren Leser sei erwähnt, dass Helme für Fahrradfahrer erst seit dieser Zeit ihren Eingang ins Stadtbild fanden und Radfahrer zuvor niemals Helme, sondern höchsten elegante, kleine Schirmmützen trugen – wenn überhaupt. Die Fahrer der Tour de France widersetzten sich noch lange dem Druck von oben, der ihnen letztendlich doch den Helm auf die Rübe zwang. Und natürlich trägt auch heute noch kein vernünftiger Mensch diese aus billigem Plastik gegossene Unzierde zu Schau; nur Trekkingsandalenträger und Kinder tun so etwas.

Trotzdem fordern Auto fahrende Populisten allenthalben immer wieder eine Helmpflicht, mutmaßlich um ihre eigene Verantwortung im Unfallsfall abzumildern. Es ist anzunehmen, dass dies die gleichen Leute sind, die vor Jahren aus vermeintlichen Gesundheitsschutzgründen zwar das Rauchverbot in Klubs und Kneipen forderten, aber immer noch der grenzwertigen deutschen Autoindustrie das Recht zusprechen, Auspuffrohre auf die Höhe von Kinderwagen zu hängen, damit die SUVs beim Anfahren an der Ampel unseren Nachwuchs mit karzinomen Abgasen vollblasen – 20 Liter, brrrröhm! Ich habe etliche Jahre meines Lebens in den verrauchtesten Spelunken nicht nur dieser Republik verbracht und habe nie jemanden tot umfallen sehen. Die ersten Gaskammern der Nazis hingegen wurden effektiv mit Dieselmotoren deutscher Automobilhersteller betrieben. Soviel zur ethischen Integrität der Auto fahrenden Helmpflichtforderer.

Mein Vater fuhr selber Auto. Aber irgendwie hatte er etwas gegen rote BMWs. Alles Verbrecher! Das fand ich natürlich ungerecht und diskriminierend und so hatten wir jedes Mal, wenn ein roter BMW an uns vorbeirauschte eine pubertäre Gerechtigkeitsdebatte.

Neulich hatte meine Freundin einen Unfall. Sie fuhr kurz hinter mir, ich überholte gerade einen an der Haltestelle stehenden Bus, als ein von hinten kommender, hupender und trotzdem beschleunigender, roter BMW sie absichtlich anfuhr und dann mit quietschenden Reifen mich überholend das Weite suchte.

»Du Hurensohn«, rief ich ihm hinterher, obwohl ich gar nichts gegen seine Mutter hatte. Den fahrerflüchtenden BMW-Fahrer meinte ich ja. Ich merkte mir seine Nummer, auch der Busfahrer tat das. Ich lief zu meiner Freundin, sowie ein knappes Dutzend ebenso geschockter Zeugen. Meine Freundin musste vier Tage lang ins Krankenhaus. Gehirnerschütterung. Wenn sie sich jetzt einen Helm holt, verstehe ich das. Ich rudere also ein bisschen zurück und werde toleranter gegenüber Helmträgern. Und toleranter gegenüber meinem Vater. Er hatte ja so was von Recht! Die Fahrer von roten BMWs sind samt und sonders Verbrecher! Primitive, übermotorisierte Rowdys.

In den letzten Monaten war wieder öfters vom Konflikt Radfahrer und Autofahrer zu lesen. Die Städte bleiben gleich groß, werden aber voller: Mehr Räder und mehr Autos. Der Bundesminister für Verkehr, ein Bayer mit dem in diesem Kontext vielsagenden Namen Rammsauer schlug sich erwartungsgemäß auf die Seite der Autoindustrie, die immerhin seine Partei, die CSU jedes Jahr mit Millionenbeträgen fördert. Da ist Loyalität zum Brotgeber gefragt. So pöbelte Rammsauer – wunderbare Name, ich schreibe ihn noch mal aus: Ramm-Sau-Er – von »Kampfradlern«, womit er, das sei allen des bayrischen nicht mächtigen hier erklärt, aggressive Velofahrer meinte. Der Minister, in dessen Verantwortungsbereich auch die knapp 400 im letzten Jahr tödlich verunglückten Fahrradfahrer auf bundesdeutschen Straßen fallen, beschimpft und verhöhnt diese also auch noch postum in mundartlichem Idiom! Kein Wort über die Autofahrer, die die Fahrradfahrer umgenietet haben. Nein, »Kampfradler san’s des!« Da kann einem doch schon die Hutschnur platzen, beziehungsweise der Helm springen. Ramm-Sau-Er, der BMW-Typ für Abwrackprämie und Pendlerpauschale, dieser ehr- und ethiklose Sack!

Die Helmpflicht für Radfahrer ist wie eine mittelalterliche Strafe. Sie ist der Pranger und die Halsgeige der Autogesellschaft. Sie dient der Lächerlichmachung und Stigmatisierung des anderen, des Schwächeren Teilnehmers im Straßenverkehr.

Nein, Helmpflicht kann nicht die Lösung sein! Ich will Radwege ohne Schlaglöcher und zwar asphaltiert, ungepflastert! Welcher Autolobbyist ist eigentlich auf die zynische Idee gekommen Fahrradwege zu pflastern, aber Straßen schön glatt zu asphaltieren, obwohl die Autos doch die viel dickeren Reifen haben? Was für ein mieser Witz ist das denn? Ich will, dass die Städte in eine große Tempo-30-Zone verwandelt werden. Und dass Autos keine 20 Liter beim Anfahren verbrauchen! Und dass die dreckigen Mercedes-Taxis, die beim Anfahren schwarze Rußwolken ausstoßen, die Kinder am Straßenrand und die Fahrradfahrer gezwungen sind einzuatmen, abgewrackt werden. Und dass Ramm-Sau-Er und die anderen moralisch-kaputten Autolobbyisten abgewrackt werden. Verdammt, das will ich!

Ja, mein Lied brüllte ich mit jugendlichem Überschwang. Deshalb möchte ich jetzt, erwachsen und gereift mit dem versöhnlichen Refrain schließen:

»Fahrradhelme stinken

aber Autos auch

sie verschandeln jedes Stadtbild

Helm und Autos raus!«

Logan’s Run – Fahrradhelme raus!

Am 16. August startet im FluxBau eine Doppelausstellung, und ihr seid eingeladen, zur Eröffnung vorbeizukommen. Die Videokünstlerin Anina Brisolla stellt zusammen mit Maike Gräf aus, deren (gern auch mal etwas obszöne) Skulpturen dem Einen oder Anderen ebenfalls bekannt vorkommen dürften. Vernissage ab 18h, die Künstlerinnen sind anwesend.
Die Ausstellung läuft mindestens einen Monat.
Fluxbau, Pfuelstr. 5, Spreehof Kreuzberg
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Anina Brisollas Videokunst könnte man auch als digitale Malerei und Collage beschreiben. Ihren großformatig angelegten Arbeiten geht eine intensive Recherche voraus, in der sie das Bildmaterial ihres Sujets zusammenträgt, das sie im zweiten Teil des Arbeitsprozesses am Computer collagiert, durch malerische Szenen und Komponenten ergänzt und schließlich animiert.
Rigoros und kompromisslos und trotzdem voller Liebe sind die Skulpturen von Maike Gräf. Auf den ersten Blick erinnern sie an eine Mischung aus Futurismus, Dubuffet oder Picasso. Die Formen werden gebrochen, die Figuren in einzelne Facetten unterteilt.